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Das
Glück der Unwissenden
Der Schmerz im Kopf
scheint mir die Schädeldecke zu sprengen. Ich versuche meine Augen zu öffnen,
doch die Lieder wollen sich nicht heben lassen. Schwer sind ebenso meine
Glieder. Nur mit Mühe gelingt es meinen Arm zum Gesicht zu leiten und über
die geschlossenen Augen fahren zu lassen. Eine Kruste liegt über den Liedern
und scheint sie zu versiegeln. Mit Daumen und Zeigefinger reibe ich sie ab
und zitternd öffnen sich meine Augen. Das Licht brennt mir schrecklich in
den Augen und automatisch schließen sich die Lieder bis nur noch ein
winziger Schlitz verbleibt, und ich mich langsam an das grelle Licht
gewöhnen kann.
Erst sehe ich alles nur verschwommen, doch dann erkenne ich einen weißen
Raum in dem sich allerlei medizinische Gerätschaften befinden. Ich liege auf
einem metallenen Tisch. Als ich an mir herunter schaue, erkenne ich
erschrocken, das ich nackt bin. Doch . . . WER BIN ICH? ? ? Ich kann mich
nicht an meinen Namen erinnern oder wo ich mich hier befinde. Es ist alles
weg. Verwirrt und Orientierungslos setze ich mich auf, lasse meine Beine
langsam über den Rand des Tisches gleiten und setze sie vorsichtig auf den
kalten Boden. Doch meine Beine geben nach und schmerzhaft stürze ich auf die
Erde. Es kostet mich meine ganze Konzentration und Kraft mich zu erheben und
die hämmernden Kopfschmerzen machen es auch nicht gerade leichter. Meine
Knie scheinen wie aus Pudding zu seien.
Ich sehe mich nach Kleidung oder einem Schrank um, doch im ganzen Raum
scheint nichts zum anziehen zu finden zu sein. Wankend bewege ich mich auf
die Tür zu und drücke die Klinke herunter. Die Tür öffnet sich ohne ein
Geräusch. An der Außenseite des Türrahmens hängt ein weißer Arztkittel der
an der Brust einige Blutflecken aufweist. Ich greife danach und ziehe ihn
mir über. Schweiß läuft mir über die Stirn, das Gesicht und benetzt
schließlich die Lippen. Ein salziger Geschmack breitet sich im Mund aus. Vor
mir liegt ein kurzer, steril anmutender Gang. Ich bin mir sicher, mich in
einem Krankenhaus zu befinden. Doch was ist geschehen? Wie kam ich her? Und
vor allem, warum kann ich mich an nichts erinnern? Sollte hier nicht
irgendwo ein Arzt oder eine Krankenschwester sein? Ich versuche nach
jemandem zu rufen, doch nur ein heiseres Krächzen entrann meiner Kehle. Ich
folge dem Gang bis zu seinem Ende. Nirgendwo ist auch nur eine Menschenseele
zu entdecken. Am Ende des Ganges ist eine schwere Stahltür die jedoch
verschlossen ist. Mit der Faust schlage ich dagegen um mich bemerkbar zu
machen, doch es erfolgt nicht die geringste Reaktion. Neben der Stahltür ist
eine Art Codegeber für die Tür. Ziemlich strenge Sicherheitsmaßnahmen für
ein Krankenhaus. Also suche ich weiter nach einem Menschen der mir
weiterhelfen kann. Also wende ich mich den anderen Türen zu, doch nur wenige
sind unverschlossen.
Ich finde nur eine Abstellkammer, in der sich alte Putzmittel befinden und
ein weiteres Untersuchungszimmer wie jenes in dem ich erwacht bin. Doch auch
hier finde ich keine Hinweise wo ich mich genau befinde oder wer ich bin. Im
letzten Raum den ich offen vorfinde befindet sich ein großes Labor. Ich
entdecke einen Computer, vor den ich mich setze und ihn einschalte. Der
Rechner fährt mit einem leisen Brummen hoch und der Bildschirm schaltet sich
mit einem flimmern ein. Dann erscheint die Aufforderung den Zugangscode
einzugeben. Enttäusche schalte ich das Gerät ab und erhebe mich. Was war
hier nur los? Plötzlich durchzieht ein Schmerz meine Eingeweide, als würde
jemand mit einem glühenden Stück Stahl darin herum rühren. Stöhnend und mit
schmerzerfülltem Gesicht wälze ich mich auf den kalten Fliesen des Labors,
mein Mund füllt sich mit Flüssigkeit. Ich schmecke den metallischen
Geschmack von Blut. Es läuft über die Lippen, rinnt über das Kinn, tropft
dann rot auf meine nackte Brust und den kalten weißen Boden. Dann
verschwindet der Schmerz so abrupt wie er begonnen hat. Was ist nur mit mir
geschehen? Ist es ein Virus das mir die Erinnerung genommen und diese
furchtbaren Schmerzen beschert hat? Das würde natürlich auch diese
Sicherheitsmaßnahmen an den Türen und das Fehlen des Pflegepersonals
erklären. Also entschließe ich mich zurückzukehren in das Zimmer, in dem ich
erwacht bin. Ich hänge den Mantel wieder an die Tür, wasche mir das Blut von
Kinn und Brust und lege mich erneut auf den Tisch. Erschöpft und ausgelaugt
schließe ich meine Augen und nur Sekunden später falle ich in einen tiefen
Schlaf.
*
Der Schmerz im Kopf scheint mir die Schädeldecke zu sprengen. Ich versuche
meine Augen zu öffnen, doch die Lieder wollen sich nicht heben lassen. Schwer
sind ebenso meine Glieder....
Verfasser : Lestat DeLioncourt, 25. 06.2000
by
Lestat DeLioncourt
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